Bomben auf Utopia, Tag 48

 Tag 48 (9.11.2012)

„Boyz in da hood“

Verschlimmbesserung scheint tatsächlich ein existentes Wort der deutschen Sprache zu sein!

Schlimm ist zum Beispiel eine Harke, die schwer sichtbar des Abends im Grass liegt und einem Besucher des Hauses ins Gesicht flitscht.

Sollte einer auf die Idee kommen, diese Harke als Diebstahlalarmsystem für ungebetene Einbrecher zu verwenden und dazu noch eine unfassbar scharfe Axt oben am Stil der Harke zu befestigen, wäre das schlimm für den Einbrecher.

Von einer Verschlimmbesserung dieser Harke würde man nun reden, wenn die Axt, obwohl sie gut gedacht war, irrtümlich der geliebten Frau ins Haupt fährt. Schlimm wegen der Liebe. Bei einer gehassten Frau wäre hingegen von einer reinen Verbesserung auszugehen. Doch nur dann, wenn die Frau auch stirbt! Sollte sie „nur“ ein Leben lang auf die Pflege des Mannes angewiesen sein, würde man wieder von einer Verschlimmbesserung sprechen, da der Mann mit dem Mord an seiner Frau sein Leben verbessern wollte, sie nun aber den ganzen Tag im Rollstuhl durch den Rosengarten schieben muss!

Auch Justus hatte mal eine Verschlimmbesserung vorgenommen, die er bis heute eigentlich ganz lustig fand: Er hatte sich auf eine Party seines schlimmsten Schulfeindes geschlichen, vorher eine Rauchbombe aus Tischtennisbällen und Aluminiumfolie gebastelt, sie vor Ort gezündet und die vollkommen überfüllte Party mit hysterischen „Feuer! Feuer!“-Rufen gesprengt, als der dickliche Qualm aus dem Kinderzimmer von Dennis, seinem Feind, suppte.

In null Komma nichts war die Wohnung verlassen gewesen – alle rannten panisch auf die Strasse. Nur Justus wartete, bis sich das bisschen Rauch verzogen hatte und sprühte dann in riesigen, wild die Wände herunter laufenden Lackbuchstaben „FEUER!“ über die gesamte Breite des Flures. Dann verschwand er heimlich aus der Wohnung.

Das war sehr, sehr lustig gewesen!

Jetzt stand er hier in diesem Fernsehstudio herum, guckte ein bisschen in die Luft und fand das, was da vorne vor der Kamera geschah, durchaus auch lustig.

Da saßen Emma, Willehad und Justin und stritten sich mit der Bundeskanzlerin, die für ihren gesellschaftlichen Stand wirklich überraschend zickig reagierte.

Leicht summend brannten die Scheinwerfer unter der Decke ihr britzelndes Licht in das TV-Studio. Süße Schweißperlen bildeten sich auf Emmas Stirn, die nach wie vor versuchte, zu moderieren. Sie wiederholte ihre letzte Frage in Richtung Willehad und Justin und der Kanzlerin, die immer noch über Videochat zugeschaltet war. Hinter ihr stiegen Rauchsäulen aus den Stadtteilen auf, die – zu großen Teilen von vom Himmel fallenden Walfischen zerstört – dalagen.

Emma wiederholte ihre Frage:

„Will noch wer etwas sagen?“

Weiter war es still. Das war aber auch wieder eine große Frage!

Willehad, der immer noch neben ihr saß, überlegte. Eigentlich war schon alles gesagt. Es grübelte in seinem Kopf, nach außen hin aber bewahrte er immer noch diese spitzbübische Art, die er sich auch bis in sein mittelhohes Alter hinein bewahrt hatte.

Jetzt war die Möglichkeit, einen ganzen Haufen Leute noch einmal so richtig zu verwirren! Er hatte noch etwas vorbereitet, zögerte nun aber und wusste nicht genau, ob das nicht doch ein bisschen zu weit ging, vielleicht sogar ein bisschen zu albern war.

„Zu albern?“ hörte er sich selber denken. „So ein Blödsinn – zu albern gibt es überhaupt nicht. Das ist doch der ganze Plan. So albern sein, wie es nur irgendwie geht. In der Albernheit ist der Mensch am Reinsten!“

Er schaute an der Kamera vorbei hinauf zu Peter, der hinten im Studio in seinem Kabuff am Regiepult saß. Willehad nickte kurz und dreht sich dann auf seinem Drehstuhl zu Emma.

„Ja, Emma, etwas gibt es noch. Wir haben noch einen kleinen Einspielfilm!“

„Gut!“ antwortete Emma.

Filme sind immer gut. Es war ja wohl für jeden schon in der Schule der beste Moment, wenn der Klassenstreber mit der Lehrerin an seiner Seite den Fernseher ins Klassenzimmer schob.

„Film ab!“ sagte Emma also und freute sich, auch mal „Film ab!“ im Fernsehen gesagt zu haben.

Die Fernseher der Republik färbten sich schwarz. Eine leise Melodie erklang. Die Melodie war eigentlich nicht leise, die Lautstärke klang für die Menschen vor den Fernsehern aber so, als hätten sie versehentlich ihre Geräte leiser gedreht.

Eine Stimme aus dem Schwarz setzte ein. Sie war kaum zu verstehen. Abermillionen Bundesbürger grabbelten panisch nach ihren Fernbedienungen und rissen die Lautstärke auf. Elektrisches Rauschen übersteuerter Fernsehlautsprecher erfüllte die Luft der mittlerweile wahnsinnig IKEA mäßigen deutschen Durchschnittswohnzimmer.

Langsam, ganz sachte, veränderte sich das Fernsehbild. Kleine weiße Flecken blendeten ins Schwarze. Es wurden immer mehr, immer mehr kleine Sterne, und als die Sterne klar zu sehen waren, verbanden sie sich durch Wolken in bunten Farben, die wiederum die einzelnen Punkte verbanden. Langsam entstand auf diese Weise ein atemberaubendes Bild des Universums, anscheinend von einem Standpunkt aufgenommen, der sich außerhalb des Weltraums befinden musste, denn an den Rändern wurde es schwarz. Es war ein komplettes Abbild des gesamten Sternensystems. Ein majestätischer Anblick. Gänsehaut-Feeling pur! Klassische, zeitlose Musik schwang mit ihren sphärischen Flächen durch die Häuser der Bundesrepublik Deutschland, durch die Bars und Kneipen, die alle ihre Fernseher und Beamer angeschaltet hatten. Die ganze Nation blickte gespannt auf die Mattscheibe.

Weiter sirrten die leise düdelnden, aber voll aufgerissenen Boxen, und langsam rotierte das Universum vor den Augen der Menschen. Anmutig. Und wunderschön!

Fast döste Deutschland gebannt vor der Mattscheibe. Fast stellte sich das Gefühl der frühen achtziger Jahre ein, als die Menschen  mitten in der Nacht aufgewacht waren und nur noch Ameisen den Bildschirm bevölkerten. Weißes Rauschen auf den Geräten, hervorgerufen von der Hintergrundstrahlung des Urknalls. Still sang das Universum.

„HAAAALLLLLLLOOOOOO!“ dröhnte es plötzlich aus den aufgerissenen Boxen.

Die Menschen fielen von ihren Stühlen, sprangen in Panik wieder auf, drehten sich auf der Suche nach Orientierung um die eigene Achse und bekamen das Fernsehbild wieder in den Blick.

Langsam, ganz langsam fuhr ein leicht fremdartiger Schädel von unten in den Bildausschnitt.

Das Gesicht war menschlich, aber auch wieder nicht; es folgte den anatomischen Gesetzen der Menschen, wirkte aber wie eine logische Fortsetzung seiner Evolution mit dem Aussehen des Menschen in einigen tausend Erdenjahren.

Es ist ja einer der grundsätzlichen Fehler der menschlichen Zivilisation, zu denken, dass die Evolution ein abgeschlossener Prozess sei, an dessen Ende der Mensch stehe.

Ein grober Denkfehler, der der Überheblichkeit des menschlichen Geistes entspringt. Interessant ist dabei, dass sich kein Mensch seiner eigenen evolutionären Verantwortung bewusst ist. Die Idee, dass derjenige überlebt, der sich Veränderungen am besten anpassen kann, wird von der Menschheit ja beinhart abgelehnt. Der Mensch hält es stattdessen für das Beste, so zu bleiben, wie er ist und alles kaputt zu machen, was ihm im Weg steht.

Nur ist es der Evolution reichlich egal, wer sich für den Überlegenen hält. Die Evolution interessiert sich nicht sonderlich für durchgeknallte Weltenherrscher. Evolution ist kein Selbstläufer.

Man muss Evolution schon bewusst und aktiv betreiben!

Oder – besser gesagt, man sollte sich wenigstens nicht so aufregen, wenn etwas passiert. Da sind die weißen Menschen des Planeten und ihr dummer Rassismus sogar fast zu verstehen, wenn sie Angst um ihre Gene haben. Es sind, wie die Fortpflanzung zwischen den Menschen zeigt, auf jeden Fall Verlierer-Gene! Blonde oder gar rote Haare sind ein Auslaufmodell der Evolution. Sie werden es keine hundert Jahre mehr schaffen. Schön anzusehen sind sie wohl, aber schwierig zu rechtfertigen!

Schön ist ja auch die Theorie, dass es ganz logisch ist, dass weiße blonde Menschen aussterben. Das ist eigentlich nur eine kluge Reaktion der Evolution auf den Klimawandel, das Ozonloch und die UV-Strahlen, die jede helle Haut verbrennen. Die Weißen haben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Sich durch Fortpflanzung eine bessere Hautfarbe zuzulegen, oder nur noch im Keller herumzuhängen und die Realität in den Computer zu verlegen, wo es möglich ist, das Sonnenlicht so weit herunterzuprogrammieren, dass sogar ein Albino seinem Traum nachkommen kann, Bademeister an der Copacabana zu werden.

Allein schon deshalb hätte es niemanden schockieren dürfen, dass sie nun auf dem Bildschirm dieses schwarze menschliche Wesen sahen.

Ein Schock war es für den Großteil der deutschen Bevölkerung aber doch, wo sie sich eigentlich immer noch heimlich die Zugehörigkeit zu einer Herrenrasse zurückwünschte. Die Menschen hatten zwar noch keine Ahnung, wer da auf dem Bildschirm zu sehen war, aber allein schon die Tatsache, dass ein Schwarzer im Fernsehen auftrat, der keine albernen Faxen machte oder etwas von einem gewissen Spaß, der immer sein müsste, sang, machte sie nervös.

„HAAALLOOOO!!! WIR SIND AAAUUUSSERIRDISCHEEE!“ wiederholte sich die Stimme und schwieg einen Moment still.

„Naa, nur Spaß! Guten Abend!“ begann die seltsame Gestalt zu sprechen. „Ich möchte nicht lange um den heißen Brei herum reden. Wir beobachten Sie schon eine ganze Zeit, wie der eine oder andere von Ihnen ja wahrscheinlich auch schon bemerkt haben dürfte. Wir wissen, dass sich einige von Ihnen schon auf uns gefreut haben – es ist aber natürlich auch nachvollziehbar, dass einige gewisse Ressentiments gegenüber anderen Lebensformen pflegen. Ich möchte jetzt nicht direkt behaupten, dass wir Außerirdische wären – das wäre ein wenig kurz gegriffen, weil wir tatsächlich eigentlich ja doch Menschen sind. Es klingt jetzt vielleicht ein bisschen schwer zu glauben, aber wir kommen tatsächlich von der Erde, haben dieses Ding jedoch schon vor einiger Zeit verlassen, und zwar, als es ungemütlich wurde und wir keine Lust mehr hatten, auf diesem Schrotthaufen zu leben. Wir wissen, dass Ihr gerade auch viel darüber nörgelt, dass der Planet bald unbewohnbar sein könnte. Tatsächlich ging es uns auch so. Allerdings schon vor knapp vierhunderttausend Jahren. Die Zeit bis heute haben wir uns dann halt im All herumgetrieben. Als der Planet so aussah, wie Ihr ihn jetzt belebt, sind wir schon abgehauen. Könnt Ihr ja mal drüber nachdenken, wie toll es bei Euch wirklich ist! Wir hatten noch Dinosaurier als Haustiere. Aber ich schweife ab. Ich bitte um Entschuldigung!“

„George, sieh zu!“ schallte es aus dem Hintergrund des Raumschiffes, auf dem sich der Halbaußerirdische George augenscheinlich befand.

Gebannt saß die Fernsehnation vor den Mattscheiben.

„Jetzt also auch noch Außerirdische. Gott, oh Gott, wo sollte das nur enden!“

„Also!“ meldete sich George wieder.

„Um es kurz zu machen – Folgendes: Wir hatten damals, als wir abgehauen sind, ein bisschen wenig Leute dabei, und das ist jetzt natürlich lästig. Besser gesagt: Langweilig. Uns ist langweilig, und von den Inzestproblemen hier im Schiff will ich gar nicht erst anfangen. Also: Wir suchen Nachwuchs – außerirdischen Nachwuchs sozusagen.

Eure Erde, also – was Ihr daraus gemacht habt, ist hin, wie man so schön sagt. Das scheint Euch ja auch schon aufgefallen zu sein. Es wird schwierig, da noch etwas dran zu drehen. Wenn man sich das Teil von hier oben aus ansieht, könnte man sagen: Notschlachten wäre nicht das Schlechteste!

Wir hätten hier oben noch ein paar Plätze frei und suchen ein paar Leute, die irgendwie ein bisschen was beitragen könnten.

Ihr habt wahrscheinlich von diesen Entführungen gehört: Diese Frauen vom Land, die behaupten, sie hätten Sex mit Außerirdischen gehabt. Dafür möchten wir uns noch einmal entschuldigen. Das war alles Moritz. Schwenk doch mal die Kamera, dann können alle Moritz, die Sau, sehen!“

Die Bluescreen hinter George wurde abgeschaltet und

die Kamera schwenkte wacklig durch das Raumschiff, das albern und irgendwie selbstgebaut wirkte.

Ein hagerer, aber um die Mitte herum dicklicher Mittvierziger kam ins Bild. Als er die Kamera auf sich zuschwenken sah, stülpte er sich unbeholfen eine sehr billig aussehende Alienmaske mit Eierkopf und großen, schwarzen Augen über den Kopf.

„Huh, Huh! Wir kommen in Frieden! Huh, Huh!“ machte er und sofort erkannten ihn hunderte seltsame alte Frauen und zuckten auf den Stühlen vor ihren Fernsehern zusammen.

Die Kamera schwenkte zurück auf George.

„Wenn ihr Euch fragt, warum immer eher nicht so schöne, leicht psychisch gestörte Frauen – und sogar Männer – vom Beischlaf mit Außerirdischen berichten, dann kann ich nur sagen: Moritz’ Geschmack war schon immer ein bisschen ekelig! Pfui, Moritz! Pfui! Alles Moritz’ Schuld, nicht die Schuld seiner Opfer! Mutterkomplexe. Schrecklich! Und wo wir schon mal dabei sind: Schlimmerweise stimmen diese ganzen Verschwörungstheorien. Tatsächlich war dieses Ding bei Roswell ein Kind von Moritz, das es bei uns einfach nicht mehr ausgehalten hat, weil Moritz so ein Scheißvater ist. Und sogar Erich von Däniken hatte Recht. Wir hätten uns auch gewünscht, dass wunderschöne, eloquente und charmante Menschen von unserer Existenz berichten, aber: Kann man sich nicht aussuchen, und es war einfach ein Querschnitt durch die Bevölkerung, und da sollte es einen ja nicht wundern, dass es schließlich in erster Linie Vollidioten waren!

Das Ganze war also eigentlich eine Art Castingshow, aber irgendwie war da nichts dabei. Deswegen machen wir es jetzt direkt!

Wir haben unsere Mutterschiffe in eine stationäre Umlaufbahn um Eure Erde gebracht und werden Euch jetzt beobachten. Am 21.12.2012 ist der Recall, wie man das ja dieser Tage nennt. Wir sehen Euch dann! Und jetzt noch ein bisschen schöne Musik!“

Das Bild blendete ab, und für einige Sekunden war das Universum wieder zu sehen. Der Beitrag endete abrupt, die Kamera schaltete um und Emma, welche immer noch im Studio saß, tauchte wieder auf dem Bildschirm auf.

„Soso!“ dachte sie sich und war dermaßen perplex, dass ihr gar nichts anderes übrig blieb, als so zu tun, als wäre es in dieser wahnsinnig gewordenen Welt jetzt sogar schon normal, dass Außerirdische, die eigentlich von der Erde kamen, und sich nur mal kurz die Füße vertraten, jetzt auf eine kleine Castingshow vorbeischauten. „Soso, jetzt also auch noch Außerirdische! Naja. Nee? Was soll man machen? Kann man nix machen!“

Immer noch saßen Willehad, Emma und Justin zusammengequetscht am Moderationspult. Das Live-Bild der Kanzlerin war wieder im Hintergrund zu sehen. Sie wirkte aufgeregt und blickte dann mit gekünstelt festem Blick in die Kamera.

Sie öffnete den Mund und schloss ihn dann wieder. Und noch mal: Mund auf, Mund zu. Sie versuchte, eine halbwegs natürliche Position für ihre Hände zu finden, fingerte herum und hob plötzlich eine Hand in die Kamera. Sie spreizte Mittel und Ringfinger und hielt hilflos die offene Handfläche in die Kamera.

„Liebe Außerirdische!“ sagte die Kanzlerin. „Ich heiße Sie im Namen der gesamten Menschheit willkommen. Wir heißen Sie in Frieden und mit offenen Armen willkommen!“

„Jaja, lass mal gut sein!“ unterbrach sie Willehad.

Er macht das Peace-Zeichen in die Kamera.

„Moin Willehad!“ sagte George. „Kannst du dieser Frau mal sagen, dass sie dieses Zeichen auch besser sein lassen kann? Dieses Spock-Ding, was sie da macht, ist schrecklich. In weiten Bereichen der Milchstraße ist es das offizielle Zeichen für „Fick Dich!“. Da kann sie mir auch gleich eine Banane hinwerfen und Affenlaute machen. Kaum kommt ein Schwarzer aus den – Huhuhu! – Tiefen des Universums – gleich wieder so eine Scheiße. Interplanetaren Rassismus nennt man das. Da kann sie ja auch gleich den Hitlergruß machen!“

„George, lass mal gut sein!“ unterbrach ihn Willehad. „Cool bleiben, ich regel das! Aight?“

„Aight!“ antwortete George und beruhigte sich sichtlich. „Ist schon gut, ich bin ein bisschen aufgeregt. Wir sind lange nicht zuhause gewesen, da können die Emotionen schon mal mit einem durchgehen!“

„Easy. Ciao George, bis später!“ sagte Willehad zum Abschied.

„Ja, ciao. Später Bierchen?“ fragte George noch schnell nach.

„Bierchen!“ antwortete Willehad

„Wo? ‚Neuschwabenland’?“ fragte Georg.

„’Neuschwabenland’?“ sagte Willehad und überlegte kurz.

„Yo, geht ab. Vielleicht bring ich die anderen noch mit. Oder möchtest du buddy time?“

„Nö, geht klar!“ antwortete George. „Bis später dann. Wir holen Euch ab?“

„Alles klar. Danke sehr!“

„Da nicht für. Dann bis nachher!“

Justin grinste noch einmal in die Kamera.

Es war leise geworden im TV Studio und vor den Fernsehgeräten.

Steffi und Maik standen verloren im Studio herum. Unbewusst hatten sich ihre Hände gefunden und hielten einander fest.

Maik schaute sie an.

„Hattest du auch schon mal mit denen … ?“ fragte Maik.

„IHH!“ sagte Steffi spitz. „Für was hältst Du mich, ich bin doch keine Weltraumschlampe!“

Immer noch konsterniert, schaute Emma in die Kamera. Gebannt wartete sie auf das, was als nächstes über den Teleprompter laufen würde. Endlich setzte der Text wieder ein.

Emma las vor: „Liebe Bürger der Welt! Bitte lassen Sie Ihre Fernseher eingeschaltet. Wir melden uns bald mit neuen Informationen. Bis dahin: Die besten Hits der Neunziger, dem besten Jahrzehnt aller Zeiten, und dazu: Dicke Menschen, die hinfallen. Danke für die Aufmerksamkeit, und – bis später!“

Das Fernsehbild blendete ab. Die Bildleitung zur Kanzlerin in der Hauptstadt wurde pausiert. Emma atmete aus und tief wieder ein. Sie zog sich den Knopf aus dem Ohr und schaute nach links und rechts, wo Willehad und Justin vor sich hin grinsten und sich einen fist bump gaben.

„Meine Fresse! Ich brauche einen Drink!“ sagte Emma in die Runde und erhob sich. Neben ihr stand bereits Justus mit einem Caipiroska in der Hand, den er ihr hin hielt. Traumtyp!

Auch Willehad und Justin standen auf und kamen zu den anderen. Alle standen in altvertrauter Runde herum und schauten einander an. Da ergriff Justus das Wort.

„Außerirdische also!“ sagte er und schaute Willehad an.

„Naja, sind ja nicht wirklich Außerirdische. Sind mehr Leute, die hier abgehauen sind, bevor es Scheiße wurde. Also, mehr so Teilzeitaußerirdische!“

„Hättest Du aber auch mal früher erzählen können. Hätte mich ja dann doch interessiert!“ sagte Justus.

„Jaja, was Dich nicht alles interessiert. Bisschen Geheimnis muss ja auch sein, oder?“ fragte Willehad und hatte durchaus Recht. „Und außerdem muss man bei den Menschen ja auch immer aufpassen, dass sie nicht durchdrehen!“ sagte er noch dazu und hatte schon wieder Recht.

Justus schaut ihn an.

„Immer hatte dieser Typ Recht! Auch anstrengend – irgendwie. Aber böse konnte man ihm nicht sein!“

Er sagte nichts mehr, aus Angst, passiv aggressiv zu wirken. Neben ihm stand ein Lichthelfer und guckte doof aus der Wäsche – wie Lichthelfer halt gucken. Justus stand an der Nur-noch-ein-falsches-Wort-Grenze. Er versuchte sich zurückzunehmen. Es gelang ihm nicht. Mit seinem Nur-noch-ein-falsches-Wort-Blick durchmaß er den Raum und blieb stechenden Blickes bei dem Lichthelfer hängen.

„Bei Dir alles klar?“ fragte Justus.

Der Mann zog die Luft angespannt durch die geschlossenen Zähne, kniff die Augen zu einem dünnen Schlitz zusammen, schaute ihn an und sagte: „Also, um ganz ehrlich zu sein, war das immer definitiv zu einhundert Prozent das Ding. Um das jetzt mal auf Deutsch zu sagen: Leider Geil!“

Justus stand neben dem Typen. Er überlegte. Dann schaute er ihm tief in die Augen.

„Verstehe ich. Akzeptiere ich. Finde ich trotzdem Scheiße!“

Emma nippte an ihrem Caipiroska, als sie sah, dass Justus knapp vor dem Durchdrehen war. Schnell stellte sie sich zwischen ihn und die Lichthilfe.

„Beruhig Dich mal! Hier trink einen Schluck. Alles Easy!“

„Nix ist easy!“ antwortete Justus. „Und trinken will ich erst recht nichts. Ich bin sitt!“

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