Bomben auf Utopia, Tag 14

Tag 14 (1.3.2012) Träume oder so etwas in der Art. "FUCK!" dachte sich Justus. Sehr laut dachte er es, so laut, dass er sich albern vorkam, es nicht laut zu brüllen. Fuck!“

Aber wie sagt man: Der Gentleman hält sich auch allein im Dunkeln beim Niesen die Hand vor Nase und Mund. Und auch im Angesicht des bald anstehenden Ablebens brüllt er nicht herum wie ein Gangbanger auf „Tilidin“!
Der Schuss des Einsiedlers donnerte noch über die Schluchten, als
sich das Schneebrett löste und anfing, in Richtung Tal zu rutschen.
Vier Leute in knallbunten Skioveralls standen verloren nebeneinander herum und guckten doof.
Die massive Schneewand raste den Berg hinab. Weiss in seiner
reinsten Form. Nur eine Wand. Eine wahnsinnig laute, sehr, sehr
weisse Wand!
Unaufhaltsam wie ein rauschendes Meer, das beschlossen hat, es
der Evolution gleichzutun und sich dachte, dass es doch jetzt auch
einmal an Land gehen könnte, nur um mal zu sehen, was die
Fische denn wohl damals vorgehabt hatten, als sie ans Trockene 
gegangen waren.
Ein weisses Rauschen zitterte über Justus’, Emmas, Maiks und
Steffis Welt.
Menschen, die von einer Lawine getroffen werden, sagen, es sei wie
ertrinken. Weil man innerhalb von kürzester Zeit bemerke, wie stark
die Natur eigentlich sei. Eine Art von Stärke, vor der zwar immer alle
gewarnt hatten - aber was diese Stärke wirklich bedeutete, das blieb
für jeden abstrakt.
In etwa so, wie der Tod an sich - von dem wusste auch jeder, dass er
mal kommen würde, aber wenn er dann kam, wusste ja auch
niemand, was jetzt genau zu tun war. Wenn man gleich stirbt, dann
weiß auch kaum einer, wohin mit den Händen. Sterben, das ist ein
bisschen so, wie zum ersten Mal ein Mädchen küssen.
Diese übermenschliche Art von Stärke, die jeden menschlichen
Versuch des Handelns einfach lächerlich erscheinen lässt.
Diese Art von Stärke, die man manchmal bemerkt, wenn man in der
Natur steht und einen kurzen wachen Moment hat und für einen
Augenblick in der Lage ist, die ganze Schönheit wahrzunehmen,
weil diese Schönheit so überwältigend und allumfassend ist, dass sie
vergeht, wenn man versucht, sie zum Bleiben zu überreden und
versucht, sie zu verstehen.
Manche Menschen schaffen es, diese Schönheit oft zu sehen, weil
sie nicht mit den staunenden Augen eines Fremden auf die Natur
schauen, sondern mit den Augen des Alltags, mit Augen und Sinnen,
die noch wissen, dass sie dazu gehören und dass sie in der
Natur keine Fremden sind, sondern Geschöpfe unter ihresgleichen.
Das alle Geschöpfe miteinander verbunden sind, das kann keiner
so richtig erfahrbar machen. Das kann nur die Natur. Würde man
sich die mal wieder so richtig angucken, dann würde man schon
spüren, das hinter allem ein Zusammenhang steckt.
Da kommt der Mensch mit Gaia-Theorien um die Ecke und verliert
viele Worte über Nachhaltigkeit, aber was bleibt, sind Leute, die den
Film „Avatar“ im Kino gucken und in erster Linie auf den 3D-Effekt
abfahren. Muss man sich mal vorstellen!
Ein Film beschreibt die Regeln der Natur hier auf der Erde, der
Heimat des Menschen. Ein Film beschreibt die Natur, indem er von
einem anderen Planeten erzählt und dabei technische Tricks
benutzt, um das Ganze realistisch und echt aussehen zu lassen.
Dann ist der Film zu Ende, und die Pärchen, welche im Kino waren,
gehen über betonierte Parkplätze zurück zu ihrem Auto, und dann
sind sie sich einig, dass sie den Film unbedingt noch mal sehen
müssten, weil er ja so zauberhaft wäre. Dann treten sie aufs
Gaspedal und fahren durch den Beton zurück ins Hochhaus.
Der Mensch ist zu dumm, als dass er diesen kosmischen
Zusammenhang anders als mit Kitsch beschreiben könnte.
Es gibt ja keinen großen Streit darüber, was Schönheit ist. Tatsächlich
muss ja jeder, der von Verstand ist, zugeben, dass Schönheit ihren
Ursprung in der Natur hat. Ob in der wahren Natur oder im
schöpferischen Werk des Menschen. Wie aberwitzig muss ein
Mensch denn sein, zu behaupten, die Natur wäre nicht die
Mutter aller Schönheit!
Die schöne Schneewand raste weiter auf Justus und Emma, Steffi
und Maik zu. Dabei hatte sie gar keine überwältigende
Geschwindigkeit, wie sie dort den Berg herunterfloss.
Was viel überwältigender war, war die sofortige Klarheit, dass es
kein Entkommen gab. Nicht links, nicht rechts - es gab einfach
nichts mehr zu tun. Nur noch stehen und gucken. Doof gucken.
Wirklich doof gucken. In etwa so, wie man doof guckt, wenn man
eine interessante Dokumentation über eine Lawine im Internet
guckt.
Als Justus die weisse Wand auf sich zurasen sah, war ihm das
Wort "Lawine" überhaupt gar nicht in den Sinn gekommen. Weil es
eben nur ein Wort war, und nicht das, was eine Lawine eigentlich
war. Aber was war es dann?
Denken ohne Worte, das war für einen modernen Menschen, der
nicht viel kannte außer andere Menschen, natürlich eine
schwierige Frage.
Wenn Worte nicht mehr passen, wenn sie sogar ihre Bedeutung
verlieren, was soll man denn dann tun? Wie denkt man denn, wenn
man keine Worte mehr kennt. Wie ist man denn traurig, wenn man
das Wort traurig gar nicht kennt?
Wie alle Menschen kannte Justus das Gefühl, wenn es für etwas
keine Worte mehr gibt. Nicht, weil sie einem nicht einfallen würden.
Eher, weil sie plötzlich keinen Sinn mehr machten, oder besser
gesagt, weil sie keine Kraft mehr besaßen, irgend etwas zu ändern.
Und tatsächlich fiel Justus das Wort Lawine nicht mehr ein, weil das
Wort ihm überhaupt nichts mehr bringen würde.
Plötzlich hörte er es wieder in seinem Kopf: „La-wi-ne, Lawine“.
Er sprach es langsam im Geiste aus - es klang wie bei einem
Fünfjährigen in der Grundschule!
Manche Menschen sagen ja, es wären die Worte, die Namen, die
uns die Macht über die Dinge geben. Das mag im Kleinen ja
stimmen, aber wenn eine drei Meter hohe Lawine mit geschätzten
zwei Millionen Bruttoregistertonnen, also etwa dem Gewicht von
einer Million Indischer Elefanten auf einen zugeballert kommt,
dann kannst du noch so oft "Lawine-Lawine-Lawine" denken,
besonders mächtig kommt man sich da nicht vor!
Wenn so eine Welle auf einen zurast, dann stellt sich da eine
gewisse Akzeptanz ein, weil - machen, machen kannste dann eh
kaum noch was!
Justus kannte Naturgewalten nur von Gesprächen mit nervigen
Menschen. Und nervige Menschen konnten nun wirklich auch eine
Naturgewalt sein. Wenn man aus Versehen in so ein Gespräch
verstrickt wird, da gibt es ja nicht viele Möglichkeiten, da wieder
herauszukommen. Bei Menschen war oft eine spitze Bemerkung
oder pure Ignoranz oder ein dummer Witz sehr hilfreich, um die
eher nervige Gefahr zu umgehen.
Wenn man vor einer Lawine steht, dann ist das nicht so. Blöde
Witze helfen da wenig!
"Ey, Justus, was ist weiss und stört beim Essen?" hörte er eine
seltsame Stimme aus dem Himmel schreien.
Tatsächlich stand Justus da und wusste eigentlich gar nichts mehr.
Das wäre der Moment gewesen, um sich zu ärgern, dass man im
Internet Videos von süssen Kätzchen angesehen hatte, statt auch
nur einmal die drei Minuten zu investieren, um das Video zum
Verhalten in einer Lawinensituation“ zu schauen.
Zu spät!
Die Lawine erwischte ihn mit voller Breitseite: Erst schossen ihm die
feinen Eiskristalle wie Nadeln in die Augen, dann knallte ihm die
Schneemasse in den Brustkorb.
Er überschlug sich und sah drei andere knallbunte Figuren, die
kurz vor seinen Augen umherwirbelten, ehe sie sich im Nebel der
Lawine verloren.
EMMA
Als Emma den Schuss des Einsiedlers hörte, kapierte sie
erst einmal überhaupt nichts mehr.
Sie stand da, hatte die Flasche mit dem Sauren in der Hand, da
steckte sich der nackte Mann die Schrotflinte in den Mund und
drückte ab. Sein Blut und was auch immer er da mit dem Schrot
durch seinen Kopf in die Luft geblasen hatte, zerstäubte sich
einfach und verlor dadurch seinen Schrecken. Diesig schwebte
eine sattrote Wolke über ihm, als er in die Knie sank und zur Seite
kippte.
Die Wolke stand einen Moment in der Luft, dann begann sie sich zu
senken. Der klare Sonnenschein brachte die kleinen Tröpfchen zum
Leuchten. Ein kleiner rosa Regenbogen spannte sich dort, wo der
Mann, den Maik "Krüger" nannte, noch vor einer Sekunde
gestanden hatte.
Dann hörte sie langsam das Rauschen, welches schnell zu einem
Grollen und dann zu einem Brüllen anstieg. Dann sah sie, wie sich
eine schwarze Linie quer über den Berg oberhalb der Hütte bildete
und zu rutschen begann. Als sie begriff, dass sie sich konfrontiert sah
mit ihrem wahrscheinlichen Ende, machte sich ihr Geist so schnell er konnte vom Acker.
Tatsächlich sah sie sich selbst von oben, wie sie da vor der Lawine
stand. Sie stieg immer weiter in den Himmel hinauf bis zur Kante
der tief hängenden Wolken, und ohne dass sie wirklich etwas tun
konnte, liess sie sich auf der Kante der Wolke nieder und schaute
ihren Beinen beim Baumeln zu.
Als ihre Beine da so baumelten, fühlten sich ihre Füsse und Knöchel
und die Zehen, mit denen sie jetzt wackelte, kalt an - sie fühlten sich
kalt an, obwohl ihre Beine warm waren!
Das erinnerte sie daran, wie es früher war, in einem See zu
schwimmen, wenn es noch nicht ganz Sommer war. Wenn die
Sonne morgens schien, aber nicht so warm war, wie sie aussah.
Wenn man lächelnd ins seichte Wasser stieg und fast lachen
musste, wenn das Wasser an den Bauchnabel spritzte. Wie wenn
man in diesem See schwamm und aufhörte, sich vorwärts zu
bewegen, nur noch auf der Stelle paddelte und die Beine soweit
herabsinken liess, dass die Füsse die tiefere, kältere Wasserschicht
berührten.
Dieser kurze Moment der Kälte, der im ersten Moment lustig
kitzelte, aber schnell die Beine hinaufstieg, die Oberschenkel
erreichte und plötzlich einem Entsetzen Platz machte.
In dem Moment, in dem die Kälte den Unterleib berührte und einen
auf den Gedanken brachte, dass das Wasser eigentlich nur an der
Oberfläche bekannt und angenehm, doch alles darunter
vollkommen unbekannt war. Was für Monster und Dämonen
konnten sich wohl da unten am Grunde des Sees verstecken?
Dieser Gedanke, diese Angst veranlasste Emma dann immer, 
zum Ufer zurück zu schwimmen, zu schwimmen, nicht zu strampeln 
- man soll denDämonen ja seine Angst nicht zeigen! Ganz diszipliniert zum Ufer
zurück schwimmen, um bei Ankunft am Strand das Gefühl eines
Überlebenden zu geniessen!
Was sie von hier oben, von der Wolke aus, mit kalten Füssen sah,
war, wie die weisse Wand, auf sie selbst zuraste. Sie sah, wie sie da
unten stocksteif stand und sich nicht regte, neben ihr die drei
anderen in den bunten Klamotten. Sie hatte erwartet, dass ihr das
einen Schock versetzt hätte, vielleicht ihren eigenen Tod zu sehen.
Aber dem war nicht so. Es war eher eine Gelassenheit, die sie
durchströmte. Ein Wissen, dass, wenn sterben so war: auf einer
Wolke sitzen und sich das alles angucken wie Kino, es sich wohl
lohnte, der Welt noch eine Chance zu geben.
Sogar etwas Fideles machte sich breit. Sie legt die Hände an den
Mund und rief hinunter: "Ey, Justus, was ist weiss und stört beim
Essen?"
Sie stützte sich auf die Hände, hob sich selbst ein Stück hoch,
pendelte einmal vor und zurück und stiess sich nach vorne ab,
segelte ein Stück zwischen den Wolken und schlüpfte dann hinab
in ihren Körper, der immer noch da stand und auf die Lawine
wartete.
MAIK
Maik stand da und es war, als hätte ihm jemand einen Headshot
gegeben. Als hätte Krüger ihm einen Headshot gegeben. Krüger aber lag
mit wenig Kopf vor seinen Füssen und starrte ihn mit aufgerissenen
Augen und einem Grinsen im Gesicht an. Maik machte einen Schritt
nach vorne, schob seinen Arm unter Krügers Schulter und hob ihn
ein wenig an, seine zweite Hand lag auf Krügers nackten Bauch. Er
warf den Kopf in den Nacken, starrte in den Himmel und schrie aus
voller Brust: "WARUUUUM???". Dabei liess er den toten Körper sinken, 
und seine Hand rutschte an Krügers Bauch herunter und glitt über das Glied seines Anführers hinweg. 
No Homo.
Dann hörte Maik das leise Rauschen, das langsam lauter wurde. 
Er blickte Krüger noch einmal in die Augen.
"Warum, man, warum denn nur, Krüger? Wir waren so knapp davor,
die letzte Schlacht zu schlagen. Herr ‚Majordomus Executus in
Molten Core’, das war unser Ziel, man, Alter! Da wollten wir doch hin!
Immer haben wir gekämpft, bis zum Ende wollten wir beieinander
stehen, Du, ich, die Gilde - was bleibt denn jetzt noch? Ich bin nichts
mehr ohne Dich. Level 85. Du warst ein Paladin. Du warst mein
Paladin!" rief Maik, der nun gegen die heranrollende Lawine anschreien musste.
"Du warst wie mein Vater. Du hast mich gerettet. Du hast mich da rausgeholt. 
Aus der ganzen Scheisse! Du hast mir das Leben geschenkt. Ich bin nur ein Schurke, 
Level 48 – aber ich war Dein Schurke! Ich werde Dich rächen!“
RACHE!" brüllte Maik der Lawine entgegen, dann riss er seine Hände in die Luft und schrie,
 weil ihm nichts Besseres einfiel: "Bei der Macht von Grayskull - ich habe die Kraft!" und hielt 
dabei eine Zigarette in die Luft, weil er in seiner Tasche nichts anderes gefunden hatte.
Er stand da, die Zigarette in der weit in den Himmel gereckten Hand. Dann öffnete er die Augen 
wieder, die er voller Pathos geschlossen hatte, und als er die Naturgewalt der Schneemassen 
auf sich zu rasen sah, dachte er sich nur noch: "Wow - geilste Grafik!"
STEFFI
Als Steffi ihr Ende auf sich zurollen sah, machte plötzlich alles einen
Sinn. Keinen guten Sinn. Aber wenigstens irgendeinen Sinn. Und
das war ja auch schon einmal was! Tatsächlich rauschte ihr Leben
an ihr vorbei, wie wenn jemand an seinem Mausrad drehte und eine
Facebook-Timeline an sich vorbeilaufen ließ. Und als Steffi am
oberen Bildschirmrand angelangt war, stand da nicht: „Was machst
du gerade?“ sondern da stand: „Wofür hast du das alles gemacht?“
Und das war eine schwierige Frage, weil - warum das alles? Da hatte sie sich ja noch nie Gedanken drum gemacht!
Wofür das alles? Das war ja mal interessant, und das hatte so auch
noch nie jemand Steffi gefragt!
Die Bilder ihres Lebens schossen an ihr vorbei, von den Kindertagen, als noch alles in ihrem Kopf ganz ordentlich und schön war.
Kindheitserinnerungen, die immer so ein bisschen wie sepia und erdfarben wirkten, seit sie einen Film über eine schöne Kindheit gesehen hatte, in der alles so sepia und erdfarben war. Weil ihre Kindheit eher von Neonröhrenlicht als von Erdfarben bestimmt war, hatte sie beschlossen, ihre Kindheit auszutauschen.
Schön war das, aber dann bekam sie doch Angst und suchte wie verzweifelt in ihrer Vergangenheit nach etwas, das ihr irgendwie ein
bisschen Mut oder, ja, vielleicht sogar Hoffung geben könnte.
Menschen, die sie kannte, kamen ihr in den Kopf, aber da war niemand, der mit dem Leben in einer Art klar kommen würde, die Hoffnung versprach. Werbejingles fielen ihr ein. Ihr fielen immer Werbejingles ein, aber diesmal kein passender.
Und dann, plötzlich, fiel ihr etwas ein: Sie hatte sich doch mal von ihrer Mutter überreden lassen, am Konfirmandenunterricht teilzunehmen.
Weil man damit „die Mongos und Versager aus der Verwandtschaft noch mal richtig ausschlachten" könnte, hatte ihre Mutter ihr besoffen vom Sofa aus zugebrüllt, als auf RTL II gerade ein Werbespot für Hoffnung gelaufen war, den Steffis Mutter aber auf lautlos geschaltet hatte.
Also war Steffi da hingetapert, jeden Donnerstag um siebzehn Uhr
und hatte sich vom Jungpfaffen das mit Gott und so angehört; und
 - um Himmels Willen! - war ihr das egal gewesen! Das war die große
Zeit von „Tamagochi“ und Aaron Carter und Schnullern am Rucksack
und „Buffallo“-Schuhen an den Füssen und Vorne-glatter-Scheitel-hinten-
hoch-toupierte-Haare gewesen. Und genauso wenig wie sich Jesus für Mola Adebisi und Nils Bokelberg interessierte, interessierte sich Steffi für Jesus! Und als dann endlich Konfirmation war, hatte sie achthundert Euro bekommen, woraufhin ihre Mutter großen Teilen der Familie ins Gesicht gespuckt und sich selber von den achthundert Euro Kondome und ein BMX-Rad gekauft hatte.
Nein, eine besonders tolle Mutter war Steffis Mutter wirklich nicht gewesen!
"Nichtsdestotrotz - ach Gott, was soll’s!" dachte sich Steffi, faltete die Hände und fing an zu beten:
"Lieber Gott im Him..."
"Ja?" antwortete Gott
"Hä?" machte Steffi
"Was hä? Du wolltest doch irgendwas!" sagte Gott
"Hä?" machte Steffi noch mal.
"Nix hier, hä. Hier ist Gott, was gibt’s denn. Sieht so aus, als würdest
Du gleich sterben, sonst hätten die Dich gar nicht zu mir durchgestellt!"
"Hä?"
"Pass auf! Ich habe viel zu tun. Ich hatte mit knapp achttausend Menschen gerechnet. Jetzt seid ihr acht Milliarden. ACHT Milliarden! Ich hab’ nicht mehr für jeden Zeit. Weisst Du, was das für ein Stress ist? Nein, weisst Du nicht! Also, was gibt´s?“ rief Gott.
Ähh, ich weiß nicht!“
Na, das solltest Du aber schon wissen! Rufst Du denn normalerweise
Leute an und weisst nicht wieso?“
Ähh, nein, mach’ ich nicht!“ sagte Steffi.
Also, Steffi: Einatmen, ausatmen. Wie in der Schwangerschaftsgymnastik!“
Ich war noch nie schwanger!“
Ich weiß, das ist das, was wir hier oben ein Wunder nennen!“
Hä?“
Also, mit dem ‚Häh?’ ist jetzt mal Schluss - das führt doch zu nichts!
Was gibt’s denn?“
Also tatsächlich rauscht hier gerade eine ziemlich riesige Lawine auf mich zu!“
Ja, das ist stressig, was kann ich denn da für Dich tun?“
Ich will nicht sterben!“
Ja, gut, das ist jetzt nicht so was, was man sich unbedingt aussuchen kann. Um ehrlich zu sein, hab ich das ja so gemacht, dass ihr euch das nicht aussuchen könnt!“
Und jetzt?“
Hör erstmal auf, so einen Stress zu machen!“
Ich glaube, Du wärst in dieser Situation auch gestresst!“
Soll ich Dir mal was von Stress erzählen? Folgendes: Ich hatte
zwei Menschen: Adam. Eva. Ich hab’ die beiden schon nicht
hinbekommen! Und nun - ich kann mich nur wiederholen: ACHT!
MILLIARDEN! Und jetzt erzählt mir die kleine Steffi was von
Stress?“
Tu was, man, das Ding kommt auf mich zu! Mach was!“ rief Steffi.
Glaubst Du, ich hab Zeit für so was? Die ganze Zeit sterben
Menschen. Meine Menschen. Jede Sekunde stirbt ein fucking Teil
von mir. Das ist Stress. Was glaubst Du, wie ich das durchhalte?“
antwortete Gott.
Weiß nicht, Drogen vielleicht?“ antwortete Steffi schnippisch, die
sich trotz ihrer aussichtslosen Lage jetzt langsam genervt fühlte.
UND OB DROGEN! Glaubst Du, ich könnte das Alles ohne das gute
Kokain durchhalten? Schau die Welt doch an! Ganz am Anfang war
mir langweilig. Ich hab’ Dope geraucht und bin überhaupt erst auf
die Idee hier gekommen. Chillig wollte ich es haben mit der Welt
und den Tieren und den Menschen. Achttausend, dachte ich mir,
achttausend Menschen kannst du handlen. Klingt viel, aber – hey! - ich
bin ja immerhin Gott! Und dann: Guck Dich mal um! Erst waren es
ein paar Millionen, und ihr habt mich schon nicht mehr pennen lassen.
Also hab ich Speed gezogen. Zum Durcharbeiten. Was habt Ihr
draus gemacht? Industrialisierung und Weltkrieg! Da hatte ich noch
Hoffnung, dass Ihr weniger werdet, aber nix, und jetzt seid Ihr acht
Milliarden - ACHT MILLIARDEN! Ihr habt sie doch nicht mehr alle!
Erst Dope, dann Speed, jetzt Koka, und ich hab’s jetzt endlich
halbwegs im Griff mit Euch. Aber erst jetzt, mit Kokain, fällt mir auf:
Ich hab’ das richtig geil gemacht! ICH HAB’ DAS RICHTIG GEIL
GEMACHT!“
Stimmt!“ dachte sich Steffi. 
Die ganze Welt ist auf Kokain. Deswegen ist sie so gierig, unsympathisch und immer pleite!“
Der Nebel der Lawine erreichte bereits Steffis Gesicht.
Ok, ich verstehe das. Ich würde trotzdem gerne noch einen
Moment hier bleiben!“ sagte Steffi in Richtung Gott.
Klar, das kann ich verstehen!“ antwortete Gott.
Könnte interessant werden: Ich wollte morgen mit LSD anfangen!“ sagte er und lachte.
Dann knallte die Lawine in Steffis Körper. Sie überschlug sich und sah
die anderen drei Freunde wie Bowlingpins wild umherwirbeln, als
die Schneewand auf sie prallte. Dann wurde es zuerst ganz weiss, dann ganz schwarz und dann wieder ganz weiss. Und wieder schwarz. Wieder weiss. Schwarz. Weiss...
Diep, Diep, Diep, Diep.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s